LernXP: Der LernXplorer Blog

  • Persönliches Wissensmanagement als Lernmethode

    Warum ich ein persönliches Notizsystem aufgebaut habe

    Während meines WOL Zirkels Anfang 2020 habe ich mich intensiv mit dem Thema Lernen beschäftig. Natürlich habe ich dazu mit vielen Menschen gesprochen, mir Vorträge angehört, Artikel und Bücher gelesen. Dabei habe ich mir auch viele Notizen gemacht oder Screenshots gespeichert. Zunächst nutzte ich OneNote oder sammelte Informationen in PowerPoint Präsentationen. Einige interessante Links speicherte ich ab, jedoch bei weitem nicht alle.

    In Woche 9 des WOL Zirkels kam natürlich die Übung, die Top 10 Ressourcen zum eigenen Lernziel zu teilen. Da meine Notizen, keine klare Struktur hatten fehlten mir bei vielen der Quellen, die ich gesammelt hatte, die Quellenangaben. Interessanten Links fand ich nicht wieder. Somit konnte ich meine Aufgabe die Top 10 zu teilen nicht abschließen. Auch wenn ich Kollegen von Artikeln, die ich gelesen hatte, erzählte, konnte ich diese nicht teilen oder musste zunächst auf die Suche gehen. Bei einigen Screenshots fehlte mir neben der Quelle auch der Kontext, so dass später nicht mehr alles nachvollziehbar war.

    Um diese Situation für mich zu verbessern entschloss ich mich, dass mein nächstes Lernthema das persönliche Wissensmanagement (Personal Knowledge Management, PKM) werden würde. Ein Kollege wies mich dann noch auf Nicklas Luhmann hin, der unter anderen für seinen Zettelkasten bekannt war. Dadurch bin ich recht schnell auf das Buch “Das Zettelkasten-Prinzip: Erfolgreich wissenschaftlich Schreiben und Studieren mit effektiven Notizen” gestoßen, welches ich kurz darauf las.

    Ich entschloss mich eine Art digitalen Zettelkasten zu erstellen. In solch einem System sind die Notizen nicht hierarchisch wie in z.B. OneNote abgelegt, sondern als ineinander verwobenes Netzwerk. Durch die Anwendung einiger der Zettelkastenprinzipien wollte ich es schaffen, die für mich interessanten und relevanten Informationen abzulegen. Diese sollen verständlich, dauerhaft, gut auffindbar, verschlagwortet und untereinander verlinkt gespeichert werden. In meinen Zettelkasten würde ich Konzepte, Ansätze und Methoden zu meinen verschiedenen Lernthemen sammeln und daraus mehr Nutzen ziehen zu können. Zum Beispiel nutzt dieser Blogbeitrag allein ca. 16 Notizen aus meinem Notizsystem. Auch der Artikel selbst ist Teil des Systems.

    Was mache ich mit den Notizen

    Ich nutze mein Notizsystem, wie man heute sagt als “Second Brain”. Das Gehirn ist leider nicht sehr zuverlässig darin große Mengen an Fachinformationen dauerhaft zu speichern. Daher lege ich diese nun strukturiert und wiederverwendbar in meinem Zettelkasten ab. Wenn ich Notizen mit anderen Themen vernetze, kann ich neue Zusammenhänge besser erkennen, Assoziationen bilden oder mir kommen ganz neue Ideen, auf die ich sonst nicht gekommen wäre. Hier hilft mir die Arbeit mit dem Zettelkasten, da ich so häufiger Beziehungen zwischen Themen bilden kann.

    Und weil wir nicht nur viel vergessen, sondern auch unsere Erinnerungen nicht allzu verlässlich sind, gilt das auch für uns im Einzelnen: Die Entwicklung von Gedanken über längere Zeiträume ist nur möglich, wenn sie auf dem Papier stattfindet.

    Ahrens, 2017, Das Zettelkastenprinzip

    Natürlich kann ich auch während der Arbeit aus meinem persönlichen Wissensmanagement schöpfen oder wie hier Inhalte für meine Blogbeiträge wiederverwenden. Nicht zuletzt kann ich so auf Konzepte von gelesenen Büchern zurückgreifen und in einzelne Aspekte der Bücher eintauchen, ohne das Buch nochmal lesen zu müssen.

    Wie erstelle ich meine Notizen

    Warum kurze Notizen

    Ich versuche kurze und in sich geschlossene Notizen zu erstellen. Jede Notiz soll dabei möglichst nur einen Gedanken bzw. ein Konzept beinhalten. Die Notizen sollen auch ohne einen größeren Kontext z.B. einem Artikel verständlich sein. Wenn ich mir in Büchern digital Markierungen gemacht habe, speichere ich diese ebenfalls als Zitat mit in den Notizen ab.

    Jede Notiz hat sprechende Überschriften, die es mir später ermöglichen sehr schnell zu erfassen, worum es geht. Durch klare Quellenangabe kann ich bei Bedarf immer Details in der Quelle nachschlagen oder diese mit anderen Teilen.

    Warum selbst formulierte Notizen wichtig sind

    If you can’t say it clearly, you don’t understand it yourself.

    John Searle

    Wenn ich Notizen beim Lesen anfertige, reflektiere ich das gelesene intensiver. Ich muss das Wissen aktiv anwenden um die Notiz zu formulieren. Dadurch verarbeite und durchdenke ich das aufgenommene Wissen intensiver. Wenn man ein Konzept nur liest, hat man häufig den Eindruck, dieses sehr gut verstanden zu haben. Oft erkennt man aber erst ob man es wirklich verstanden hat, wenn man es mit einfachen eigenen Worten wiedergeben kann. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ich die gelesenen Informationen als aktives Wissen aufnehme.

    Wie ich mein Notizsystem zum Lernen nutze

    Echtes Denken findet auf dem Papier statt

    Ahrens, 2017, Das Zettelkastenprinzip

    Der erste Schritt ist, dass ich aufmerksamer lese, weil ich bereits beim Lesen überlege, welchen Aspekt ich in mein Notizsystem überführen möchte. Diese Markiere ich und erstelle später aus diesen Markierungen Notizen. Hier findet eine aktive Anwendung des Wissens statt. Zusätzlich überlege ich, womit ich meine Notizen vernetzen kann. Beim Vernetzten mit anderen Notizen werden manchmal Zusammenhänge zwischen Konzepten klarer. Außerdem finde ich immer wieder zufällig alte Notizen, die mir so wieder ins Gedächtnis gerufen werden.

    Durch die Möglichkeit mir zufällige Notizen anzeigen zu lassen, finde ich Informationen wieder, die schon fast vergessen waren. Es entsteht eine Art Spaced Repetition System – in unregelmäßigen Abständen gehe ich alte Notizen wieder durch. Hatte ich beim Erstellen der Notiz noch keine guten Vernetzungen zu anderen Notizen erstellt, gibt es heute vielleicht neue Inhalte und es ergeben sich neue Vernetzungen.

    Verwendete Tools

    Zunächst wollte ich mit Microsoft OneNote starten, um einen Zettelkasten aufzubauen, was jedoch nicht sehr gut funktionierte. Zusätzlich brachte mich ein Kollege auf das Thema des Vendor Lock-In. Sind die Daten einmal in OneNote, bekommt man sie ohne größeren Aufwand nicht mehr aus dem System heraus. Da ein Zettelkasten auf Dauer angelegt wird, sollte es ein Format sein, welches nicht Abhängig von einer bestimmten Firma ist. So stieß ich auf verschiedene Tools die Markdown als Dateiformat nutzen.

    Bei Markdown handelt es sich um einfache Textdateien die sehr einfache Formatierungen unterstützt. Aktuell nutze ich zwei Tools, die eine sehr gute Unterstützung für Markdown bieten und Zettelkastenfunktionen enthalten. Obsidian und Zettlr. Beide Tools haben ihre individuellen Vorteile und Herausforderungen für mich, aber in Kombination bin ich sehr zufrieden mit meiner Lösung.

    Wie ich einfach Inhalte in Markdown übernehmen kann

    Textstellen aus eBooks: Kindle & Kindle App

    Meist lese ich eBooks auf meinem Kindle oder in der Kindle App. Dort kann man recht einfach Textstellen markieren. Über die Notizen Seite von Kindle kann man einfach auf diese Textpassagen zugreifen und diese kopieren.

    In der Regel übernehme ich alle Markierungen in mein Notizsystem. Um dies möglichst einfach zu erledigen nutze ich das Tool “Roam Highlighter“, welches als Erweiterung für den Chrome Browser verfügbar ist. Damit lassen sich alle Notizen eines Buches auf einmal per Copy & Paste in ein für mich passendes Markdown Format übertragen und in meinen persönliches Wissensmanagementsystem überführen.

    Textstellen aus Webseiten

    Bei interessanteren Artikeln im Internet nutze ich ebenfalls das Tool Roam Highlighter. Mit diesem lassen sich Textpassagen der Webseite beim Lesen hervorheben und exportieren. Dazu markiert man einfach Texte mit der Maus und erzeugt mit Strg-X eine Markierung. Die Passagen lassen sich dann ebenfalls als Markdown inkl. Quellangabe kopieren.

    Notizen bei Hörbüchern und Podcasts

    Auch hier habe ich einen guten Workflow für mich gefunden. Durch die Nutzung der App Airr (aktuell nur für iPhones verfügbar) lassen sich sehr komfortabel Notizen beim Hören von Podcasts erstellen und später exportieren. In der Audible App gibt es ebenfalls eine Notizfunktion, aber leider fehlt hier die Möglichkeit für Exporte.

    Etwas genauer habe ich diesen Workflow letztes Jahr in einem LinkedIn Artikel zusammengefasst: How to take notes while listening to audio books or podcasts

    Weitere Links

    Verwandte Artikel:

  • Selbstorganisiertes Lernen mit Peer Learning Circles

    Bildnachweis: People photo created by jcomp – www.freepik.com

    In diesem Beitrag beschreibe ich eine Lernreise, die zu einem eigenen Peer Learning Circle Guide bzw. einer Lernzirkelmethode geführt hat, die ich aktuell im Unternehmen einsetze. Ich gehe auf einige Herausforderungen des traditionellen Lernens, Vorteile sozialen Lernens und Peer Learning Circles ein. Zusätzlich teile ich, wie ich bei der Erstellung vorgegangen bin um möglichst schnell erste Ergebnisse sehen und Erlebnisse bieten zu können. Die ersten Learning Circles haben die Methode erfolgreich durchlaufen und es gibt einige aktive Gruppen.

    Ein großes Dankeschön geht an die @Lerngeschichten, bei denen ich beim Nächsten Lerngeschichten-Event meine Lernreise vorstellen darf. Sobald der Termin bekannt ist, werde ich darüber berichten. Die Vorbereitungen zu dem Event haben mich zu diesem Blogbeitrag inspiriert.

    Social Learning: Der Vorteil von Lerngruppen und Lernpartnerschaften

    If you can’t say it clearly, you don’t understand it yourself.

    John Searle

    Um mein selbstorganisiertes Lernen letztes Jahr zu optimieren bildete ich einen Lernpartnerschaft. Dies gab uns nicht nur die Möglichkeit voneinander zu lernen, sondern durch das gegenseitige Erklären verfestigte sich bei mir auch das Verständnis von Themen. Durch gegenseitige Fragen wurden neue Aspekte aufgedeckt oder Unklarheiten beseitigt. Da sich unsere Lernthemen sehr gut ergänzten hat der Austausch für mich immer sehr gut funktioniert.

    Durch unsere gemeinsamen Termine hatten wir immer einen entsprechenden Impuls, um uns Zeit zum Lernen zu nehmen. Eine Analogie, die ich in diesem Kontext gerne nutze, ist die des Fitnesscenters:

    Es gibt viele die sich bei einem Fitnesscenters anmelden, dann aber häufig genug eine Ausrede finden, um nicht hin zu fahren. Eine gängige Lösung dafür ist, sich mit einem Freund regelmäßig im Fitnesscenter zu verabreden. Dadurch gibt es einen klaren Termin. Zusätzlich empfindet man eine soziale Verpflichtung dem Freund gegenüber. Die Hürde wird höher nicht ins Fitnesscenter zu fahren. Vieleicht trifft man sich dann tatsächlich beim Fitnesscenter und erklärt, dass man heute eigentlich keine große Lust auf Sport hat. Selbst wenn es dem Freund genauso geht, wird man vermutlich Sport treiben, wenn man schon dort ist. Ähnliches gilt für Lerngruppen und Lerntandems: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, sich bei dem geplanten Termin mit dem Lernthema zu beschäftigen.

    Nach einiger Zeit wurde aus der Lernpartnerschaft jedoch eine kleine Gruppe. Für mich nahm dadurch die Qualität des Austauschs ab und da wir unterschiedliche Lernziele verfolgten wurde es schwerer eine gute Struktur für die Meetings zu finden.

    Inspiration: Agiles Lernen

    Du bist der Experte für dein Problem. Damit bis Du auch der Experte für deine Lösung.

    Einen Aspekt, der mir während der Zeit in der Lernpartnerschaft häufiger begegnete, war das Thema agiles Lernen. Neben den Ansätzen aus dem Buch “Agiles Lernen im Unternehmen“, die ich schon verfolgte, während die Studien zum Buch noch liefen, hat mich besonders die Präsentation von Qualityminds zum Agilen Lernen beim MOOCamp20 inspiriert. Auch wenn man häufiger Kritik am Begriff agiles Lernen hört, haben mich einige Argumente intensiv beeinflusst. Matthias Binder hat zu der Session ein Sketchnote erstellt, die die relevanten Aspekte der Präsentation gut darstellt.

    https://twitter.com/LerntNieAus/status/1262467166240149505

    In dem Ansatz von Qualityminds vorgestellten Ansatz begleitet ein Lerncoach den Lernenden und unterstützt bei der Lernzieldefinition und der Auswahl entsprechender Inhalte und Methoden. Im Sinne des agilen Ansatzes findet das Lernen dann iterativ – regelmäßig in kleinen Schritten – statt.

    Besonders angesprochen haben mich z.B. die Unterscheidung zwischen fremdbestimmten “Lehrzielen” hin zu persönlichen “Lernzielen”. Dahinter steckt die Aussage: nur der Lerner weiß was er wirklich braucht. Gerade in einer komplexen Welt, in der sich alles schnell verändert, sind fremdbestimmte Lehrziele durch den Vorgesetzten oder durch ein traditionelles Training häufig nicht zielführend.

    Warum traditionelle Trainings nicht ausreichen

    Es gibt verschiedene Gründe, die dafür sprechen, dass traditionelle Trainings nicht immer die richtige Wahl sind. Hier ein paar Gedanken dazu:

    Es gibt ein Transferproblem / Vorratslernen:

    Im Training gibt es meistens gute Situationen, um etwas auszuprobieren und zu üben. Häufig kommt man nach dem Training mit vielen Ideen zurück zum Arbeitsplatz. dort ist man dann mit dem Transfer in die Praxis häufig allein gelassen. Einige Trainings versuchen dies durch entsprechende Maßnahmen zu kompensieren. Eine weitere Herausforderung ist, dass bei einem längeren Training viele Impulse und Inhalte vermittelt werden. Man kann jedoch nicht alle gleichzeitig umsetzen. Bis man sie alle umsetzen könnte, hat die Vergessenskurve zugeschlagen. Dies führt wiederum dazu, dass kein Lerntransfer stattfindet.

    Nicht schnell genug verfügbar:

    Ich muss warten, bis das Live-Training stattfindet. Häufig benötige ich das Wissen jedoch schon vorher. Dann erarbeite ich mir bis zum Seminar selbst Inhalte, habe Kollegen gefragt oder etwas selbst ausprobiert. bis das Training stattfindet benötige ich vielleicht nur noch einen Teil des dort vermittelten Wissens.

    Trainings folgen dem Plan des Trainers:

    Trainings sind nicht individuell auf einzelne Teilnehmer zugeschnitten. Zum einen haben die meisten Teilnehmer bereits Vorwissen. zum andere benötige ich andere Inhalte vielleicht nicht, die aber für andere Teilnehmer relevant sein könnten. Somit bleibt ist immer nur ein Teil des Trainingsinhalts relevant. Zum einen kann viel Lernzeit verloren gehen. Wenn ich mich dann sogar noch langweile nehme ich die wichtigen Informationen vielleicht nicht mal auf.

    Natürlich heißt das nicht, dass traditionelle Trainings generell nicht zu verwenden sind. Gerade um den Einstieg in ein Thema zu bekommen sind gut durchdachte und didaktisch aufbereitete Trainings sinnvoll. Zusätzlich bieten viele traditionellen Trainings die Möglichkeit etwas in einem sicheren Raum auszuprobieren, bevor man es im Arbeitskontext anwendet. In einem Training kann ich meine Fragen direkt adressieren, bekomme kompetente Antworten und verstehe vielleicht einen Gesamtzusammenhang besser, da ich intensiver in das Thema eintauchen kann. Nicht zuletzt gibt es bestimmte Bereiche, in denen Unterweisungen und Trainings vor der Aufnahme einer Tätigkeit notwendig oder gar verpflichtend sind.

    Ansatz Learning Circle

    Einige der Aspekte des agilen Lernens fand ich auch in verschiedenen Learning Circle Methoden wieder. Diese Idee des moderierten agilen Lernens und die Learning Circle Methoden gefielen mir sehr gut. Somit war schnell die Idee geboren beides ein Stück weit zu kombinieren und eine individuelle Learning Circle Methode zusammen zu stellen und mit einer Testgruppe moderiert durchzuführen.

    Die meisten Learning Circle verfolgen den Ansatz von 12 wöchentlichen Sessions + Kickoff in denen jeweils ein Guide mit Übungen durchgearbeitet wird. Ein Circle ist dabei eine Gruppe von 4-5 Personen, die sich regelmäßig treffen und sich gemeinsam von den Guides leiten lassen. Simon Dückert beschreibt im LernOS Ansatz, wie man mit diesem 13 wöchentlichen Rhythmus 4 Lernzirkel in einem Jahr durchlaufen kann. Im Idealfall kann man sich so innerhalb eines Jahres 4 neue Dinge lernen. Sehr hilfreiche Erläuterungen und Darstellungen dazu, wie Lernzirkelmethoden helfen können lebenslanges Lernen zu erreichen gibt es im LernOS Guide und auf Lernos.org.

    Bereits Benjamin Franklin war solche in “lebenslanger Lerner”. Er nutzte einen ähnlichen 13-wöchentlichen Rhythmus vier Mal im Jahr. Wöchentlich stellte er eine seiner gewählten 13 Tugenden in den Fokus und reflektierte diese, um sich darin weiter zu verbessern (siehe The Science of Self-Learning, Peter Hollins, 2019).

    Vorteile des Learning Circle Ansatzes

    Die Analphabeten des 21. Jahrhunderts werden nicht die sein, die nicht lesen und schreiben können, sondern diejenigen, die nicht lernen, verlernen und umlernen können.

    Alvin Toffler

    Neben dem Vorteil, dass ich etwas neues selbstorganisiert in einem sozialen Kontext lernen kann, gibt es weitere Vorteile. Zum einen werden für die Zukunft immer wichtiger werdende Metakompetenzen (LernXP Podcastfolge zu Metakompetenzen) gestärkt wie z.B. die Lernkompetenz oder auch die Selbstreflexion. Zum anderen lernt man durch Peer Support auch voneinander und kann auch den Spaß am Lernen (wieder)finden. Die Learning Circles geben einem dabei eine hilfreiche Struktur und einen Rahmen, um regelmäßig seinen eigenen Lernzielen zu folgen. Durch die stetige Wiederholung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich nach einiger Zeit eine Gewohnheit entwickelt.

    Wie ich einen Peer Learning Circle Guide zusammengestellt habe

    Ich stellte einigen Kollegen die Idee vor einen eigenen Learning Circle Guide zu erstellen und zu moderieren. Dazu nutze ich die Sketchnote von Matthias Binder (siehe oben) um in das Konzept des agilen Lernens einzuführen. Ich teilte meine Idee einen Learning Circle Guide daraus zu erstellen und zu moderieren unter Nutzung bestehender Übungen aus anderen Learning Circles. Bei der Frage, wo ich gut eine Lerngruppe finden würde, meldeten sich gleich einige freiwillige. Der erste Learning Circle war gegründet und wir einigten uns nach einem gemeinsamen Kickoff uns wöchentlich zu treffen. Zuvor hatte ich mir einen guten Überblick über die verschiedenen Methoden der mir bekannten Learning Circle verschafft, um daraus auswählen zu können. Zum Glück waren sowohl der LernOS Guide als auch das “Mein Lernjournal” unter der Creative Commons Attribution 4.0 Lizenz.

    Von Woche zu Woche wählte ich einzelne der Übungen aus und moderierte die Gruppe. Bei einigen Übungen war ich skeptisch, ob diese zu den Teilnehmern oder zur aktuellen Situation der Teilnehmer passten, doch – bis auf wenige Ausnahmen – hatten alle Übungen sehr gut funktioniert und nach jeder Session gab es sehr positives Feedback.

    Nach kurzer Zeit fand ich ein zweites Team, welches mit mir gemeinsam den Learning Circle nutze. So hatte ich die Möglichkeit Lessons Learned in die Methode einfließen zu lassen und kurz darauf die zweite Version zu testen. Auch eine zweite Moderatorin fand ich recht schnell, über die ich zusätzliches Feedback erhielt.

    Den Ansatz der zwei zeitlich leicht versetzt laufenden Gruppen kann ich sehr empfehlen. Zum einen gab es immer fixe Liefertermine, zu denen eine Guide für eine Woche fertig sein musste, zum anderen konnten Änderungsvorschläge direkt eingearbeitet und in der zweiten Gruppe verprobt werden. Durch die Moderation der Sessions mussten die Inhalte auch noch nicht perfekt sein, da ich fehlende oder fehlerhafte Inhalte Verbal ergänzend konnte.

    Verwendete Tools

    Um die Methode später auch weiteren Interessenten und Moderatoren zur Verfügung zu stellen stellte ich diese in einer PowerPoint Präsentation pro Session zusammen. Der Beweggrund war, ein Tool zu verwenden, mit dem jeder Erfahrung hat und damit die Einstiegshürde für andere Moderatoren geringer werden sollten. Um Teilnehmern eine einfache Struktur zur Dokumentation der einzelnen Methoden zu bieten, erstellte ich noch für jede Woche ein OneNote Template, welches die Lernzirkel auch in einer eigenen MS Teams Gruppe ablegen konnten.

    Da ich häufiger die Situation erlebt hatte, dass Lerninhalten geteilt werden sollten, (z.B. in WOL), ich dann aber häufig die Links nicht mehr verfügbar hatte, empfahl ich den Circle-
    Teilnehmern noch ein Lernrepository anzulegen. In diesem Lernrepository sollten sie ihre gefundenen Lernquellen sammeln und zentral ablegen.

    Übungen für die Learning Circle Meetings: Mein Lernjournal

    Nach einiger Zeit stelle ich fest, dass mich die Methoden aus “Mein Lernjournal” von Helmut Hönsch am meisten ansprachen. Es handelt sich größtenteils um sehr gute Reflexions-, Zielbestimmungs- und Planungsmethoden. Sie helfen immer wieder auf unterschiedliche Art dabei, den Fokus für das eigene Lernthema zu finden. Da einzelne Übungen im Original zeitlich nicht in einstündige Sessions passten, kürzte oder veränderte ich diese leicht.

    Zum Beispiel wandelte ich die Übung “Meine eigene Zeitschrift Ein Online-Magazin wird eine ganze Ausgabe über Dein Ziel veröffentlichen. Welche Geschichten wird man hier finden?” dahin um, dass nur Headlines für das Magazin erstellt werden sollen. In einem Circle musste gerade ein Teilnehmer ein neues Lernziel auswählen, als wir die “Meine eigene Zeitschrift”-Übung nutzten. Dabei stellten wir fest, dass es tatsächlich eine sehr gute Übung ist auch in einer frühen Phase mit einer anderen Perspektive auf das eigene Lernthema zu blicken. Das Ergebnis war, dass ich diese Übung nun generell in Woche 3 nutze. Bisher gab es danach immer sehr positives Feedback. Dieser kreative Prozess erzeugt nicht nur Transparenz über das eigene Lernthema, sondern macht auch Spaß.

    Ein weiterer Impuls ergab sich, als die Teilnehmer fragten: Jetzt haben wir eine gute Idee was wir lernen sollen, aber gibt es auch Hinweise dazu, wie gutes selbstorganisiertes Lernen funktionieren kann? Dazu erstellte ich eine kleine Sammlung von kleinen Lerntipps und Lernhacks zusammen, die da ich mit den Teilnehmern teilte. Diese hatten zum Teil ihren Ursprung aus dem Coursera Kurs “Learning how to Learn” von Barbara Oakley und Terrence Sejnowski und diversen weiteren Quellen, die ich über die Zeit gesammelt hatte.

    https://twitter.com/mattwien/status/1296868193345175553?s=20

    Da ich hier während des Lernzirkels einen Impulsvortrag hielt, und ich diesen Inhalt auch anderen Moderatoren zur Verfügung stellen wollte, erstellte ich ein kurzes 12-minütiges Video mit Kurzerklärungen zu den Lernhacks.

    Herausforderungen beim Lernen in mit Lernzirkeln

    Natürlich lief auch bei den Lernzirkeln nicht immer alles rund. Die größten Herausforderungen waren im Zusammenhang mit Lernzielen und mit Lernzeit. Das zeigte mir nochmal, wie wichtig es ist ein passendes Lernziel zu wählen und sich Gedanken über Lernzeit zu machen.

    Lernziele

    Einige Kriterien für gute Lernziele sind:

    • Direkte Anwendbarkeit des Lernziels oder nutzen aus dem Lernziel
    • Motivation / Präferenz des Lernenden für das Thema
    • Größe des Lernziels: Es darf nicht so umfangreich sein, dass es demotivierend wird aber auch nicht so klein, dass es bereits nach 3 Wochen abgeschlossen ist
    • Stabilität des Lernziels: Wenn sich während der 12 Wochen Aufgabenverschiebungen ergeben kann es sein, dass ein Lernziel sich verändern muss
    • Klarheit des Lernziels: Am Anfang einer Lernreise sieht man ein gewisses Lernziel – doch mit fortschreitendem Erkenntnisgewinn kann sich der Fokus auf das Lernthema verändern, was wiederum eine Anpassung des Lernziels notwendig machen kann

    Während der Learning Circles versuchte ich herauszufinden, wie man gut mit Lernzielen umgehen kann. Einige Erkenntnisse dazu:

    • Beachtung des agilen Prinzips: Es ist wichtiger auf Veränderungen zu reagieren als einem vordefinierten Plan zu folgen
    • Fail Fast – learn faster: Idealerweise findet man möglichst früh raus, dass das eigene Lernziel nicht ideal ist. So kann man schnell das Lernziel anpassen. Wichtig ist auch die Reflexion anzuregen, ob nicht der Weg bis zu der Erkenntnis, dass ein Lernziel nicht erreicht werden kann bereits eine Lernerfahrung darstellt. Eine positive Einstellung zum Scheitern ist wichtig.
    • Dynamische Lernziele: Lernziele dürfen eine gewisse Dynamik haben, da sich mit steigenden Einsichten neue – zuvor unbekannte – Wege ergeben können. Dieses unvorhergesehene Ziel können sogar, dank der Überraschung, sehr motivierend sein. Nach der Devise – der Weg ist das Ziel.
    • Zwischenziele definieren: Zwischenziele sind einfacher zu erreichen und können viel klarer definiert werden. Ein erkennbares Zwischenziel erhöht die eigene Motivation und das Lernen erscheint einfacher. Die daraus resultierenden kleinen Erfolge sind zusätzliche Motivationsbooster.

    Lernzeit

    Die Selbstdisziplin aufzubringen nicht nur Lernblöcke in den eigenen Kalender zu planen, sondern diese auch zum Lernen zu nutzen scheint ein weit verbreitetes Problem zu sein. Dies kann zum einen an einem nicht stark genug motivierenden Lernziel liegen aber auch an der Selbstorganisation.

    Wie die Pyramide des Lernerfolgs nach Susan Kruger sagt, die erste Hürde etwas zu Lernen, ist das Selbstvertrauen zu haben etwas neues Lernen zu können. Ist diese Hürde gemeistert, ist die zweite Ebene das Selbstmanagement. Meine Wahrnehmung ist, dass gerade hier eine der größten Herausforderungen liegt. Schädlich sind hier Dinge wie z.B. Multitasking, Unterbrechungen durch Benachrichtigungen oder auch ein überlastetes Gehirn. Das notwendige Maß an Konzentration müssen sich viele erst wieder antrainieren (siehe z.B. Deep Work, Cal Newport).
    Die Lernzirkel helfen hier, indem sie dazu beitragen, sich Regelmäßig mit dem Lernen zu beschäftigen und das Thema so zumindest regelmäßig auf der Agenda zuhaben. Mit der Zeit kann es auch dazu beitragen eine entsprechende Gewohnheit des Lernens zu erzeugen.

    Ausblick

    Aktuell erhalte ich regelmäßig Feedback zu kleinen Verbesserungsmöglichkeiten aus Learning Circles, die aktuell selbstorganisiert laufen. Ich hoffe hier auch weiterhin auf positives Feedback der Teilnehmer. Dieses Feedback möchte ich Nutzen, um weitere MitarbeiterInnen von der Methode zu überzeugen.
    Hast Du Interesse mehr von der Methode zu Erfahren oder Zugang zu der Methode zu erhalten?
    Welche Erfahrungen hast Du selbst mit Learning Circles gemacht?
    Wie würdest Du versuchen andere von Learning Circles zu überzeugen?

    Ich bin gespannt auf eure Reaktionen.

    • LernOS für Dich: Bietet drei verschiedene Lernpfade: WOL (offen und vernetzt), einen OKR (zielgerichtet und fokussiert) und einen GTD (produktiv & stressfrei) Pfad. Zusätzlich gibt es eine LernOS Toolbox mit Leitfäden für bewährte Tools und Methoden wie z.B. Sketchnoting und Achtsamkeit
    • ePortfolio Learning Circle Guide: Nutzung einer ePortfolio-Methode, um sich einem persönlichem Lernziel zu nähern. Dazu gibt es auch eine LernXP Podcast Folge mit Marcel Kirchner
    • WOL: Working out Loud: Methode, um die eigene Arbeit sichtbar zu machen, Vernetzung zu stärken und ein persönliches Ziel zu erreichen.
    • Learning out Loud: Moderierte Lernzirkelmethode in der während der Lernphase von 7 Wochen selbst aktiv ein eigener Lerninhalt erstellt wird
    • Mein Lernjournal: Eine Anleitung zum selbstorganisierten Lernen. Entwickelt für Einzelpersonen, die Übungen funktionieren aber auch sehr gut in Lernzirkeln. Dazu gibt es auch eine LernXP Podcast Folge mit Helmut Hönsch.
  • Lesen als Lernmethode

    There is no friend as loyal as a book.

    Ernest Hemingway

    Letztes Jahr habe ich mich viel mit selbstorganisiertem Lernen beschäftigt. Dadurch kam ich auch an dem Thema Lesen als Lernmethode vorbei. Dabei habe ich viele Hinweise gesammelt, wie ich mehr, häufiger und besser Lesen kann. In diesem Artikel möchte ich meine Erkenntnisse teilen und zeige auf, wie ich selbst mein Leseverhalten seitdem verändert habe.

    • Wie wähle ich die richtigen Bücher aus?
    • Einfache Gewohnheiten die dazu führen können mehr zu lesen.
    • Wie kann ich fokussierter und konzentrierter Lesen?
    • Warum Notizen beim Lesen wichtig sind.

    Was kann ich tun, wenn ich mehr lesen möchte?

    Keine Zeit – gibt es nicht. Nur andere Prioritäten.

    Michael A. Denck

    Wissen was ich Lesen sollte

    Wenn ich mehr Lesen möchte, ist es erst mal wichtig zu wissen, womit ich mich beschäftigen möchte. Mir hat für die Orientierung mein persönliches Lernziel geholfen, welches ich mir in meinem WOL Circle gesetzt hatte. Durch mein Lernziel waren drei Voraussetzungen geschaffen, um eine hohe Motivation zu halten:

    • Ich hatte ein Ziel, welches mich persönlich interessierte
    • Das Thema hatte einen direkten Bezug zur Praxis und hat zu Problemlösungen beigetragen
    • Ich hatte eine innere Neugier für das Thema. Als dies nicht der Fall war hat sich schnell beim tiefen Eintauchen in die Themen eine Neugierde entwickelt.

    Als nächstes habe ich einen wichtigen Ratschlag beherzigt:

    Lies keine schlechten Bücher

    Ich wusste, dass das Interesse an einem Buch oder einem Thema auch nach kurzer Zeit wieder abnehmen kann. Vielleicht weil das Thema nicht relevant genug ist oder der Inhalt des Buchs vielversprechender erschien als es wirklich war? In diesen Fällen habe ich das Buch einfach pausiert. Ein nicht beendetes Buch ist besser als ein nie endendes Buch. Wenn ich versuchen würde das Buch zu beenden, obwohl es mich nicht mehr richtig interessiert, wird es schnell träge. Ich würde nicht mehr so schnell vorwärtskommen. Und Fortschritt ist wichtig, da dieser ebenfalls ein großer Motivator ist.

    Ich lernte auch, dass man kein schlechtes Gewissen haben sollte, wenn man ein Buch nicht zu Ende liest. Manche Bücher passen nicht zu einem. Oder vielleicht passen sie nur gerade im Moment noch nicht. Wenn das Buch dann im eigenen Bücherschrank liegt, kann ich ja auch jederzeit wieder darauf zurückgreifen.

    Nicht jedes Buch möchte auf die gleiche Art gelesen werden

    Some books are to be tasted, others to be swallowed, and some few to be chewed and digested.

    Francis Bacon

    Einige Bücher lassen sich nur schwer von vorne bis hinten durchlesen. Diese Bücher eignen sich mehr als Nachschlagewerk. Da empfiehlt es sich im Inhaltsverzeichnis oder Glossar nach den interessanten Punkten zu suchen und diese selektiv zu lesen. Ich habe verschiedene Methoden kennen gelernt, wie man Bücher lesen kann. Diese möchte ich hier nicht alle wiedergeben, sondern nur zwei Links teilen, die sich intensiv damit beschäftigen, wie z.B. selektives Lesen oder analytisches Lesen funktioniert.

    Lies mehrere Bücher gleichzeitig

    Eine weitere Erkenntnis war, dass es durchaus sinnvoll sein kann mehrere Bücher gleichzeitig anzufangen. Heute weiß ich, dass wenn ich beim Lesen langsamer werde, es Zeit sein könnte das Buch zu wechseln – das neue Thema reizt dann vielleicht mehr und ich werde wieder schneller Lesen. Wenn später ich wieder zu dem ursprünglichen Buch zurückkehre, bin ich vielleicht wieder offener für dieses Thema. Ein weiterer Vorteil für mich mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen ist, dass ich dadurch häufiger Parallelen zwischen verschiedenen Konzepten oder Themen erkennen kann. Manchmal werden mir dadurch auch widersprüchliche Aspekte klar. Auch wenn vielleicht das einzelne Buch durch das Lesen mehrere Bücher länger dauert, müsste sich insgesamt die Anzahl der Bücher, die ich pro Jahr Lesen werde, erhöhen.

    Das wichtigste ist aber: Keine kostbare Zeit nicht mit Büchern zu verbringen, die langweilig erscheinen.

    Die richtigen Lesegewohnheiten nutzen

    Ich habe mir einige Gewohnheiten angeeignet, um häufiger zu lesen. Aktuell lese ich meist eBooks, daher kann ich jederzeit und überall Lesen. Habe ich meinen eBook Reader nicht dabei kann ich einfach auf meinem Smartphone weiterlesen. Es ist besser häufig wenig zu Lesen als selten viel zu lesen.

    Einige Gewohnheiten, die ich gesammelt habe und auch größtenteils so anwende:

    • Nimm dir vor nur eine oder zwei Seiten zu lesen, statt ein Kapitel. (häufig wird es dann eh mehr). Zum Beispiel
      • Morgens vor der Arbeit schon ein paar Seiten lesen
      • In der Mittagspause ein paar Minuten lesen
    • Bei eBooks die Minuten bis zum Kapitelende anzeigen lassen.
      • Wenn ich das Buch eigentlich weg legen will schaue ich häufig auf die noch verbliebenden Minuten im Kapitel. Stehen dort z.B. noch 5 Minuten, fühle ich mich Motiviert das Kapitel noch schnell zu Ende zu lesen.
      • Steht dort jedoch 10 Stunden bis zum Abschluss des Buches, ist das für mich nicht sehr motivierend.
    • Wer Audible und ein Kindle eBook Reader nutzt kann Wispersync nutzen. Der Lese- und Hörfortschritt wird automatisch zwischen dem eBook und dem Hörbuch synchronisiert. Wenn man also gerade z.B. Auto fährt, kann man das Buch als Hörbuch fortsetzen.
    • Häufigere Nutzung von eBook Apps statt Social Media Apps auf dem Smartphone
    • Statt den TV einzuschalten ein Buch in die Hand zu nehmen.
    • Leseziele setzen. Wie viele Bücher möchtest Du im Jahr 2021 lesen? Apps wie z.B. Goodreads unterstützen einen dabei und zeigen einem den entsprechenden Status an.

    Fokussiert bleiben

    A woodpecker can tap twenty times on a thousand trees and get nowhere, but stay busy. Or he can tap twenty-thousand times on one tree and get dinner.

    Seth Godin, The Dip

    Ein wichtiger Aspekt, um mehr zu lesen ist es fokussiert zu bleiben. Wenn ich zu viel Ablenkung beim Lesen habe, kann ich mich nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren. Während meiner Lernreise habe ich verschieden Methoden angewendet, um meine Konzentration beim Lesen zu steigern und die Ablenkungen zu reduzieren.

    Hier meine Top 5:

    1. Deaktiviere alle Benachrichtigungen

    Eine neue E-Mail? Eine WhatsApp Nachricht? Ein neuer Facebook oder Instagram-Post? Schon allein das Vibrieren des Smartphones kann einen aus der Konzentration reißen. Es entsteht eine Neugierde, die an einem Nagt und Mentale Ressourcen verbraucht.

    Ich schalte vor einer fokussierten Lesesession meine Geräte in den Flugmodus oder lege sie beiseite. Ohne diese Maßnahme kann es passieren, dass ich alle paar Minuten abgelenkt werde. Zusätzlich habe ich Bewusst ausgewählt, von welcher App ich Benachrichtigungen erhalten möchte bzw. Apps komplett entfernt.

    2. Akustische Störungen reduzieren

    Gespräche im Hintergrund oder andere Geräusche die dich ablenken?

    In diesen Fällen nutze ich häufig Musik versuchen. Dabei ist es wichtig, dass die Musik ohne Gesang ist. Gesang würde wieder automatisch dazu führen, dass das Gehirn versucht den Worten zu folgen. Ich nutze häufig über Kopfhörer Study-Music oder Konzentrationsvideos z.B. von Youtube die ich im Hintergrund laufen lassen kann. Auch Noise Cancelling Kopfhörer sollen helfen, wobei ich den Effekt von passender Musik bisher bevorzuge.

    3. Einen festen Leseplatz etablieren

    Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn ich einen Platz habe, an dem ich häufig konzentriert lese, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ich dort auch zukünftig konzentrierter lesen kann. Wenn ich jedoch an einem Platz lesen möchte, an dem ich sonst eher z.B. E-Mails bearbeite oder TV schaue, werden meine Gewohnheiten vermutlich aktiviert, diese Tätigkeiten durchzuführen.

    4. Die eigene Konzentration beobachten

    Ertappst du dich dabei, dass Deine Gedanken beim Lesen häufig abwandern? Dass Du einen Absatz häufiger lesen musst?

    Wenn ich beim Lesen nicht mehr konzentriert bin, weiß ich heute, dass es Zeit für eine Pause ist. Ähnlich wie ein Muskel beim Sport, braucht das Gehirn auch regelmäßige Pausen. Dabei ist die Pause für das Gehirn nur dann eine Pause, wenn es nicht z.B. mit Social Media oder E-Mails belastet wird. Eine sehr gute Möglichkeit in den Pausen abzuschalten sind Achtsamkeitsübungen. Diese helfen dem Gehirn zu entspannen und danach wieder konzentrierter zu sein. Auch wenn ich abends keine große Energie mehr spüre etwas zu Lesen, helfen mir ebenfalls Achtsamkeitsübungen.

    5. Feste Taktung mit genügend Pausen

    Naps are essential to my process. Not dreams, but that state adjacent to sleep, the mind on waking.

    William Gibson

    Das Gehirn braucht ruhigen Phasen, um aufgenommene Informationen zu verarbeiten (diffuse mode of thinking). Daher mache ich bei längeren Leseblöcken regelmäßige Pausen.

    Bei komplizierteren Texten nutze ich die Pomodoro Technik. Dazu stelle ich mir einen Timer auf 25 Minuten – und lese in dieser Zeit konzentriert. Ist der Timer abgelaufen, genieße ich eine 5 Minuten Pause. Wenn du mehrere Leseblöcke hintereinander planst, solltest du auch überlegen nach dem Lesen oder in den Pausen spazieren zu gehen. Die körperliche Aktivität hilft zusätzlich dabei das Gelesene zu verarbeiten.

    Anti-Bibliothek: Zugriff auf viele, gute Bücher haben

    Das eigene Unwissen sichtbar machen

    Damit ich mehr lesen kann, ist es mir wichtig einen guten, ausgewählten Fundus an Büchern zu haben. Ich weiß, wie weiter oben bereits erwähnt, nie wann mich die Muße für ein Buch verlässt und ich lieber ein neues starten möchte. Dann erst lange zu stöbern, welches Buch es sein soll, kann dazu führen, dass ich mich für ein wenig interessantes Exemplar entscheide. Zusätzlich könnte es vorkommen, dass ich mehr Zeit mit dem Suchen als mit Lesen verbringe.

    Mache gehen einen anderen Weg, und legen sich die Bücher, die sie lesen möchten, bereits zu. Dadurch kann sich mit der Zeit eine größere Büchersammlung ergeben. Nicht umsonst sagt man “Bücher kaufen und Bücher lesen sind zwei grundverschiedene Hobbies“.

    Auch wenn es erstmal eigenartig anmuten mag, sich viele Bücher zu kaufen, die man nicht gelesen hat, so kann dies durchaus sinnvoll sein. Eine umfangreiche Bibliothek mit ungelesenen Büchern macht transparent, was man alles noch nicht weiß. Es empfiehlt sich dann aber, damit man zumindest einen guten Eindruck von dem Buch und dem darin enthaltenen Wissen hat, den Klappentext und die Einleitung zu lesen als auch das Inhaltsverzeichnis durchzugehen.

    Umberto Eco nannte diese Sammlung ungelesener Bücher seine Anti-Bibliothek und im japanischen gibt es dafür den Ausdruck Tsundoku.

    https://twitter.com/JohannesStarke/status/1328367930858418176

    Die richtigen Bücher finden

    Ich ergänze meine Leseliste sehr häufig. Immer wenn ich von einem Buch höre, welches für mich interessant ist, wird es in meiner Leseliste aufgenommen und kategorisiert. In einer dieser Kategorien sind Büchern, die ich als nächstes Lesen möchte. Ein paar Methoden über die ich weitere Bücher finde:

    • Empfehlungen von Kollegen, Freunden, Bekannten oder aus den Sozialen Medien
    • Empfehlungen in Podcasts
    • Hinweise in anderen Büchern, Referenzen, Fußnoten
    • Personen denen ich auf Good-Reads folge

    Um den Blick auch etwas weiter schweifen zu lassen, und nicht nur in der eigenen Filterblase zu bleiben, habe ich noch folgende Ideen gefunden:

    • In einem Buchladen ein Buch wegen seines interessanten Covers oder Titels auswählen
    • Bewusst auch mal Bücher auswählen, die der eigenen Meinung widersprechen. Dies kann helfen dem Confirmation Bias entgegen zu wirken
    • Vielleicht nicht unbedingt Bücher lesen, die eh jeder gelesen hat

    Bei der Auswahl der Bücher versuche ich darauf zu achten, ob der Autor selbst auf andere Bücher oder Quellen referenziert. Zum einen ist der Autor dann mit seiner Darstellung nicht allein und zum anderen ermöglicht es mir dadurch weitere Quellen zu finden.

    Was ich getan habe, um beim Lesen mehr zu Lernen

    Notizen und Lesen verbinden

    Lesen als solches ist eine recht passive Tätigkeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass man viel von dem Gelesenen vergisst ist sehr hoch, wenn man nicht damit arbeitet. Daher habe ich mir angewöhnt sehr beim Lesen Notizen zu machen. Das hilft mir dabei Konzepte klarer zu verstehen und zu verinnerlichen. Zusätzlich habe ich mir ein System angeeignet, durch das meine Notizen einfach auffindbar und miteinander verlinkt abgelegt sind.

    Durch dieses Ablagesystem kann ich Dinge schnell wiederfinden und nutzen. Da meine Notizen größtenteils selbst formuliert und auf den Kern der Aussagen reduziert sind, passiert der erste Lernschritt schon beim Erstellen der Notiz. Erstelle ich später bei einem neuen Eintrag neue Verlinkungen zu bestehenden Notizen, sehe ich diese regelmäßig wieder, und meine Erinnerungen an diese Konzepte werden angeregt.

    Durch das regelmäßige Erstellen von Notizen hast sich die Art wie ich lese stark verändert. Ich frage mich nun beim Lesen immer, welche Aspekte ich mir Dauerhaft notieren und in mein persönliches Wissensmanagementsystem überführen möchte. Durch die eigenen Notizen und die vorhandenen Quellenangaben fällt es mir dadurch später viel einfacher das Wissen mit anderen zu teilen.

    In einem früheren Artikel bei LinkedIn habe ich dazu geschrieben, wie ich selbst beim Hören von Podcasts und Hörbüchern Notizen erstelle.

    Zu guter Letzt:

    Was macht ihr beim Lesen anders?

    Was hat euch inspiriert?

    Teilt euere eigenen Leseerfahrungen hier im Kommentar, bei Twitter.

    Quellen und ergänzende Links:

    Photo by Aaron Burden on Unsplash

  • Persönlicher Lerntag – konzentriert an Lernzielen arbeiten

    Warum nicht mal einen “persönlichen Lerntag” einlegen? Anders als in dem Artikel Lerntage im Unternehmen, hat mein WOL Circle eine Kleingruppen-Variante eines Learning Days ausprobiert. Alle Circle-Teilnehmer trafen sich letzte Woche zusammen virtuell für einen ganzen Tag, um an ihrem eigenen Lernziel intensiv weiter zu arbeiten.

    Warum ein ganzer Lerntag?

    Sowohl WOL und auch LernOS empfiehlt sich regelmäßig Zeit zum Lernen zu blocken. Dies kann z.B. eine Stunde pro Woche sein. Das mach auch vollkommen Sinn, damit man lebenslanges Lernen erreichen kann. Häufig gibt es dann aber – zumindest bei mir – etwas dringenderes und ich nutze die Zeit doch nicht komplett zum Lernen. Zudem muss man sich in sein Thema erst mal rein denken, und bis man sich Strukturiert hat ist ein Teil der Lernstunde schon verbraucht. Im Vergleich mit z.B. Präsenztrainings ist es deutlich schwieriger konzentriert beim Thema zu bleiben. Bei Präsenztrainings ist man komplett aus dem Arbeitsprozess herausgezogen und kann sich auf das Lernthema einstellen.

    Möchte man jedoch wirklich etwas neues lernen, kann es sinnvoll sein hin und wieder – je nach verfügbarer Lernzeit oder ggf. in Abstimmung mit der Führungskraft – einen Lerntag einzulegen. Blockt euch – am besten gemeinsam mit interessierten Kollegen oder einem Lerncircle – einen kompletten Tag. Stellt euch auf diesem Tag auf Abwesend und richtet einen Abwesenheitsagenten ein – genauso wie ihr es für ein Lifetraining auch machen würdet. Wenn ein Tag zu viel ist könnt ihr auch erst mal mit einem halben Tag starten.

    Ablauf eines persönlicher Lerntage

    Trefft euch zum Start des Lerntages zu einem Check-In. Besprecht gemeinsam, wie ihr Ablenkungen vermeiden möchtet. Klärt aber auch wie ihr trotzdem in Kontakt bleiben könnt. Bei einem Seminar wären eure Handys sicherlich im Flugmodus und ihr hättet kein E-Mail- oder Chatprogramm offen.

    Jeder sollte für sich selbst am Anfang einen groben Lernplan erstellen. Plant dafür eure Lerneinheiten grob in 30-60 Minuten Blocks. Vielleicht unterteilt ihr die Blöcke nach einzelnen Lernthemen oder Lernquellen, mit denen ihr euch auseinandersetzen wollt. Denkt daran auch genügend Puffer einzuplanen. In den Plan sollte rein, was ihr wirklich Lernen wollt und von hoher Relevanz ist. Idealerweise habt ihr vorbereitend schon mögliche Lernquellen gesammelt.

    Teilt eure Lernvorhaben am Anfang miteinander. Zum einen könnt ihr euch dazu Feedback geben – wenn ihr euch zum Beispiel zu viel vorgenommen habt. Zum anderen könnt ihr dadurch auch ein höheres Commitment erreichen. Stellt sicher, dass ihr nach jedem 30-60 Minuten Blocks eine 5-10 Minuten Pause einplant, und einer längeren Pause alle 2 Stunden. Wenn ihr möchtet könnt ihr auch die Pomodoro Technik anwenden.

    Nutzt die Pausen aktiv zum Erholen, und nicht um z.B. E-Mails zu checken. Macht zum Beispiel eine Achtsamkeitsübung oder geht kurz spazieren. Euer Gehirn braucht bei längeren Lernphasen diese regelmäßigen Pausen.

    Trefft euch mindestens zum Abschluss nochmal um einen kurzen Austausch. Teilt eure Erfahrungen und macht vielleicht eine kurze Retro – was ihr als Gruppe oder als Person nächstes Mal anders machen würdet. Vielleicht verabredet ihr euch auch gleich für den nächsten Personal Learning Day.

    Erwartete Vorteile

    Durch das Blocken eines gesamten Tages kann mehr Zeit für das Lernen genutzt werden. Es wird Zeitverlust durch ständige Aufgabenwechsel vermieden. Wenn Ihr an dem Tag doch mal zwischendurch etwas anderes gemacht habt, hattet ihr trotzdem noch genügend Zeit euch mit dem Lernen zu beschäftigen.

    Zusätzlich erzeugen die soziale Aspekte einer Lerngruppe an dem Lerntag einen gewissen sozialen Druck. Dadurch wird es schwieriger an dem Tag nicht zu Lernen.

    Vielleicht probiert ihr demnächst ja auch einen persönlichen Lerntag mit eurem LernOS oder WOL Circle aus? Ich bin gespannt von euren Erfahrungen zu hören.

    Weiterführende Links

  • Lerntage im Unternehmen für eine bessere Lernkultur

    “Wir wissen dass wir viel wissen – aber wir wissen nicht immer wo”. So geht es vielen großen Unternehmen. Es gibt sehr viel verfügbares Wissen, aber der Wert des Wissens ist deutlich geringer, wenn es nicht geteilt wird. Eine Möglichkeit Mitarbeiter in Austausch zu bringen und vorhandenes Wissen zu teilen sind Lerntage. Immer mehr Unternehmen nutzen diese Lerntage um Lernen und Austausch anzuregen und damit auch eine bessere Lernkultur zu etablieren. Einige Links zu Beispielen von der Schweizer Post, Datev, Otto Group und der Deutschen Telekom findet ihr weiter unten im Artikel.

    Ein Lerntag ist meist eine halbtägige bis zweitägige Veranstaltung die häufig im Stile eines Barcamps oder OpenSpace durchgeführt wird.
    Jeder darf ein Thema Anbieten und Teilnehmer können selbst auswählen an welchen Sessions sie teilnehmen möchten. Gerade bei längeren Onlineveranstaltungen muss nicht zwingend die ganze Zeit dabei sein – in Live-Veranstaltungen gibt es dafür Begegnungsräume. In diesen kann ein informeller Austausch stattfinden. Dadurch kann auch eine Vernetzung über Abteilungen (kommt Ab-Teilung von abteilen = Silo?) gefördert werden.

    Diese Veranstaltungen sind meist Themenoffen – was kommt das kommt. Es kann aber auch Lerntage mit speziellen Themenfokus geben. Methodisch werden meist von den Sessiongebern Formate wie:

    • Diskussionen
    • Workshop / neues Erarbeiten
    • Impulse / Vorträge
      gewählt.

    Am besten ist es nicht zu stark auf Vorträge zu setzten, da die Akzeptanz mit der Interaktion steigt. Einige Unternehmen bieten den Sessiongebern Unterstützung bei der Vorbereitung der Sessions an, damit die Lernerfahrung für die Teilnehmer steigt.

    Das schönes ist, dass alle lernen. Der Sessiongeber, da er das Thema darstellt und weitere Perspektiven von den anderen Teilgebern erfährt. Die Teilgeber von dem Sessiongeber und den anderen Teilgebern.

    Beispiel Datev

    Datev hatte in einer Session des Corporate Learning Camps CLC20Hybrid ihr Model des Lerntages vorgestellt. Ein Ergebnis war dass sich Mitarbeiter solch ein Event 2x im Jahr wünschen – aber es auch Termine gibt die durch Projekteinsätze eher ungünstig sind. Eine Weiterentwicklung wird ein “Coding Festival” für Entwickler.

    Learnings aus der Session

    • Der Name “Lerntag” könnte besser gewählt sein (ein Name der beim CLC20Hybrid vorgeschlagen wurde war “Learning Experience Day“)
    • Mehr Tools helfen nicht mehr – Mitarbeiter sind von der Toolschwemme gesättigt
    • Abwechslungsreiche und unterschiedliche Formate sind sinnvoll
    • Gute Onlinetools ersetzen nicht die persönlichen treffen
      Warum heißen die Lerntage nicht einfach Barcamp? Weil man sich dann auf ein Format festlegt, aber vielleicht nutzt der nächste Lerntag ja ein anderes Format?

    Beispiel Learning Friday bei der schweizerischen Post

    Beispiel LEX – Learning from Experts bei der Telekom

    Ein umfangreicheres Konzept als ein Lerntag. Eine moderne Form des “Kannst Du mir mal helfen” bestehend aus Expertenlisten, Online Sessions und Foren.
    Details:

    Weitere Beispiele:

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