LernXP: Der LernXplorer Blog

  • Lesen als Lernmethode

    There is no friend as loyal as a book.

    Ernest Hemingway

    Letztes Jahr habe ich mich viel mit selbstorganisiertem Lernen beschäftigt. Dadurch kam ich auch an dem Thema Lesen als Lernmethode vorbei. Dabei habe ich viele Hinweise gesammelt, wie ich mehr, häufiger und besser Lesen kann. In diesem Artikel möchte ich meine Erkenntnisse teilen und zeige auf, wie ich selbst mein Leseverhalten seitdem verändert habe.

    • Wie wähle ich die richtigen Bücher aus?
    • Einfache Gewohnheiten die dazu führen können mehr zu lesen.
    • Wie kann ich fokussierter und konzentrierter Lesen?
    • Warum Notizen beim Lesen wichtig sind.

    Was kann ich tun, wenn ich mehr lesen möchte?

    Keine Zeit – gibt es nicht. Nur andere Prioritäten.

    Michael A. Denck

    Wissen was ich Lesen sollte

    Wenn ich mehr Lesen möchte, ist es erst mal wichtig zu wissen, womit ich mich beschäftigen möchte. Mir hat für die Orientierung mein persönliches Lernziel geholfen, welches ich mir in meinem WOL Circle gesetzt hatte. Durch mein Lernziel waren drei Voraussetzungen geschaffen, um eine hohe Motivation zu halten:

    • Ich hatte ein Ziel, welches mich persönlich interessierte
    • Das Thema hatte einen direkten Bezug zur Praxis und hat zu Problemlösungen beigetragen
    • Ich hatte eine innere Neugier für das Thema. Als dies nicht der Fall war hat sich schnell beim tiefen Eintauchen in die Themen eine Neugierde entwickelt.

    Als nächstes habe ich einen wichtigen Ratschlag beherzigt:

    Lies keine schlechten Bücher

    Ich wusste, dass das Interesse an einem Buch oder einem Thema auch nach kurzer Zeit wieder abnehmen kann. Vielleicht weil das Thema nicht relevant genug ist oder der Inhalt des Buchs vielversprechender erschien als es wirklich war? In diesen Fällen habe ich das Buch einfach pausiert. Ein nicht beendetes Buch ist besser als ein nie endendes Buch. Wenn ich versuchen würde das Buch zu beenden, obwohl es mich nicht mehr richtig interessiert, wird es schnell träge. Ich würde nicht mehr so schnell vorwärtskommen. Und Fortschritt ist wichtig, da dieser ebenfalls ein großer Motivator ist.

    Ich lernte auch, dass man kein schlechtes Gewissen haben sollte, wenn man ein Buch nicht zu Ende liest. Manche Bücher passen nicht zu einem. Oder vielleicht passen sie nur gerade im Moment noch nicht. Wenn das Buch dann im eigenen Bücherschrank liegt, kann ich ja auch jederzeit wieder darauf zurückgreifen.

    Nicht jedes Buch möchte auf die gleiche Art gelesen werden

    Some books are to be tasted, others to be swallowed, and some few to be chewed and digested.

    Francis Bacon

    Einige Bücher lassen sich nur schwer von vorne bis hinten durchlesen. Diese Bücher eignen sich mehr als Nachschlagewerk. Da empfiehlt es sich im Inhaltsverzeichnis oder Glossar nach den interessanten Punkten zu suchen und diese selektiv zu lesen. Ich habe verschiedene Methoden kennen gelernt, wie man Bücher lesen kann. Diese möchte ich hier nicht alle wiedergeben, sondern nur zwei Links teilen, die sich intensiv damit beschäftigen, wie z.B. selektives Lesen oder analytisches Lesen funktioniert.

    Lies mehrere Bücher gleichzeitig

    Eine weitere Erkenntnis war, dass es durchaus sinnvoll sein kann mehrere Bücher gleichzeitig anzufangen. Heute weiß ich, dass wenn ich beim Lesen langsamer werde, es Zeit sein könnte das Buch zu wechseln – das neue Thema reizt dann vielleicht mehr und ich werde wieder schneller Lesen. Wenn später ich wieder zu dem ursprünglichen Buch zurückkehre, bin ich vielleicht wieder offener für dieses Thema. Ein weiterer Vorteil für mich mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen ist, dass ich dadurch häufiger Parallelen zwischen verschiedenen Konzepten oder Themen erkennen kann. Manchmal werden mir dadurch auch widersprüchliche Aspekte klar. Auch wenn vielleicht das einzelne Buch durch das Lesen mehrere Bücher länger dauert, müsste sich insgesamt die Anzahl der Bücher, die ich pro Jahr Lesen werde, erhöhen.

    Das wichtigste ist aber: Keine kostbare Zeit nicht mit Büchern zu verbringen, die langweilig erscheinen.

    Die richtigen Lesegewohnheiten nutzen

    Ich habe mir einige Gewohnheiten angeeignet, um häufiger zu lesen. Aktuell lese ich meist eBooks, daher kann ich jederzeit und überall Lesen. Habe ich meinen eBook Reader nicht dabei kann ich einfach auf meinem Smartphone weiterlesen. Es ist besser häufig wenig zu Lesen als selten viel zu lesen.

    Einige Gewohnheiten, die ich gesammelt habe und auch größtenteils so anwende:

    • Nimm dir vor nur eine oder zwei Seiten zu lesen, statt ein Kapitel. (häufig wird es dann eh mehr). Zum Beispiel
      • Morgens vor der Arbeit schon ein paar Seiten lesen
      • In der Mittagspause ein paar Minuten lesen
    • Bei eBooks die Minuten bis zum Kapitelende anzeigen lassen.
      • Wenn ich das Buch eigentlich weg legen will schaue ich häufig auf die noch verbliebenden Minuten im Kapitel. Stehen dort z.B. noch 5 Minuten, fühle ich mich Motiviert das Kapitel noch schnell zu Ende zu lesen.
      • Steht dort jedoch 10 Stunden bis zum Abschluss des Buches, ist das für mich nicht sehr motivierend.
    • Wer Audible und ein Kindle eBook Reader nutzt kann Wispersync nutzen. Der Lese- und Hörfortschritt wird automatisch zwischen dem eBook und dem Hörbuch synchronisiert. Wenn man also gerade z.B. Auto fährt, kann man das Buch als Hörbuch fortsetzen.
    • Häufigere Nutzung von eBook Apps statt Social Media Apps auf dem Smartphone
    • Statt den TV einzuschalten ein Buch in die Hand zu nehmen.
    • Leseziele setzen. Wie viele Bücher möchtest Du im Jahr 2021 lesen? Apps wie z.B. Goodreads unterstützen einen dabei und zeigen einem den entsprechenden Status an.

    Fokussiert bleiben

    A woodpecker can tap twenty times on a thousand trees and get nowhere, but stay busy. Or he can tap twenty-thousand times on one tree and get dinner.

    Seth Godin, The Dip

    Ein wichtiger Aspekt, um mehr zu lesen ist es fokussiert zu bleiben. Wenn ich zu viel Ablenkung beim Lesen habe, kann ich mich nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren. Während meiner Lernreise habe ich verschieden Methoden angewendet, um meine Konzentration beim Lesen zu steigern und die Ablenkungen zu reduzieren.

    Hier meine Top 5:

    1. Deaktiviere alle Benachrichtigungen

    Eine neue E-Mail? Eine WhatsApp Nachricht? Ein neuer Facebook oder Instagram-Post? Schon allein das Vibrieren des Smartphones kann einen aus der Konzentration reißen. Es entsteht eine Neugierde, die an einem Nagt und Mentale Ressourcen verbraucht.

    Ich schalte vor einer fokussierten Lesesession meine Geräte in den Flugmodus oder lege sie beiseite. Ohne diese Maßnahme kann es passieren, dass ich alle paar Minuten abgelenkt werde. Zusätzlich habe ich Bewusst ausgewählt, von welcher App ich Benachrichtigungen erhalten möchte bzw. Apps komplett entfernt.

    2. Akustische Störungen reduzieren

    Gespräche im Hintergrund oder andere Geräusche die dich ablenken?

    In diesen Fällen nutze ich häufig Musik versuchen. Dabei ist es wichtig, dass die Musik ohne Gesang ist. Gesang würde wieder automatisch dazu führen, dass das Gehirn versucht den Worten zu folgen. Ich nutze häufig über Kopfhörer Study-Music oder Konzentrationsvideos z.B. von Youtube die ich im Hintergrund laufen lassen kann. Auch Noise Cancelling Kopfhörer sollen helfen, wobei ich den Effekt von passender Musik bisher bevorzuge.

    3. Einen festen Leseplatz etablieren

    Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn ich einen Platz habe, an dem ich häufig konzentriert lese, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ich dort auch zukünftig konzentrierter lesen kann. Wenn ich jedoch an einem Platz lesen möchte, an dem ich sonst eher z.B. E-Mails bearbeite oder TV schaue, werden meine Gewohnheiten vermutlich aktiviert, diese Tätigkeiten durchzuführen.

    4. Die eigene Konzentration beobachten

    Ertappst du dich dabei, dass Deine Gedanken beim Lesen häufig abwandern? Dass Du einen Absatz häufiger lesen musst?

    Wenn ich beim Lesen nicht mehr konzentriert bin, weiß ich heute, dass es Zeit für eine Pause ist. Ähnlich wie ein Muskel beim Sport, braucht das Gehirn auch regelmäßige Pausen. Dabei ist die Pause für das Gehirn nur dann eine Pause, wenn es nicht z.B. mit Social Media oder E-Mails belastet wird. Eine sehr gute Möglichkeit in den Pausen abzuschalten sind Achtsamkeitsübungen. Diese helfen dem Gehirn zu entspannen und danach wieder konzentrierter zu sein. Auch wenn ich abends keine große Energie mehr spüre etwas zu Lesen, helfen mir ebenfalls Achtsamkeitsübungen.

    5. Feste Taktung mit genügend Pausen

    Naps are essential to my process. Not dreams, but that state adjacent to sleep, the mind on waking.

    William Gibson

    Das Gehirn braucht ruhigen Phasen, um aufgenommene Informationen zu verarbeiten (diffuse mode of thinking). Daher mache ich bei längeren Leseblöcken regelmäßige Pausen.

    Bei komplizierteren Texten nutze ich die Pomodoro Technik. Dazu stelle ich mir einen Timer auf 25 Minuten – und lese in dieser Zeit konzentriert. Ist der Timer abgelaufen, genieße ich eine 5 Minuten Pause. Wenn du mehrere Leseblöcke hintereinander planst, solltest du auch überlegen nach dem Lesen oder in den Pausen spazieren zu gehen. Die körperliche Aktivität hilft zusätzlich dabei das Gelesene zu verarbeiten.

    Anti-Bibliothek: Zugriff auf viele, gute Bücher haben

    Das eigene Unwissen sichtbar machen

    Damit ich mehr lesen kann, ist es mir wichtig einen guten, ausgewählten Fundus an Büchern zu haben. Ich weiß, wie weiter oben bereits erwähnt, nie wann mich die Muße für ein Buch verlässt und ich lieber ein neues starten möchte. Dann erst lange zu stöbern, welches Buch es sein soll, kann dazu führen, dass ich mich für ein wenig interessantes Exemplar entscheide. Zusätzlich könnte es vorkommen, dass ich mehr Zeit mit dem Suchen als mit Lesen verbringe.

    Mache gehen einen anderen Weg, und legen sich die Bücher, die sie lesen möchten, bereits zu. Dadurch kann sich mit der Zeit eine größere Büchersammlung ergeben. Nicht umsonst sagt man “Bücher kaufen und Bücher lesen sind zwei grundverschiedene Hobbies“.

    Auch wenn es erstmal eigenartig anmuten mag, sich viele Bücher zu kaufen, die man nicht gelesen hat, so kann dies durchaus sinnvoll sein. Eine umfangreiche Bibliothek mit ungelesenen Büchern macht transparent, was man alles noch nicht weiß. Es empfiehlt sich dann aber, damit man zumindest einen guten Eindruck von dem Buch und dem darin enthaltenen Wissen hat, den Klappentext und die Einleitung zu lesen als auch das Inhaltsverzeichnis durchzugehen.

    Umberto Eco nannte diese Sammlung ungelesener Bücher seine Anti-Bibliothek und im japanischen gibt es dafür den Ausdruck Tsundoku.

    https://twitter.com/JohannesStarke/status/1328367930858418176

    Die richtigen Bücher finden

    Ich ergänze meine Leseliste sehr häufig. Immer wenn ich von einem Buch höre, welches für mich interessant ist, wird es in meiner Leseliste aufgenommen und kategorisiert. In einer dieser Kategorien sind Büchern, die ich als nächstes Lesen möchte. Ein paar Methoden über die ich weitere Bücher finde:

    • Empfehlungen von Kollegen, Freunden, Bekannten oder aus den Sozialen Medien
    • Empfehlungen in Podcasts
    • Hinweise in anderen Büchern, Referenzen, Fußnoten
    • Personen denen ich auf Good-Reads folge

    Um den Blick auch etwas weiter schweifen zu lassen, und nicht nur in der eigenen Filterblase zu bleiben, habe ich noch folgende Ideen gefunden:

    • In einem Buchladen ein Buch wegen seines interessanten Covers oder Titels auswählen
    • Bewusst auch mal Bücher auswählen, die der eigenen Meinung widersprechen. Dies kann helfen dem Confirmation Bias entgegen zu wirken
    • Vielleicht nicht unbedingt Bücher lesen, die eh jeder gelesen hat

    Bei der Auswahl der Bücher versuche ich darauf zu achten, ob der Autor selbst auf andere Bücher oder Quellen referenziert. Zum einen ist der Autor dann mit seiner Darstellung nicht allein und zum anderen ermöglicht es mir dadurch weitere Quellen zu finden.

    Was ich getan habe, um beim Lesen mehr zu Lernen

    Notizen und Lesen verbinden

    Lesen als solches ist eine recht passive Tätigkeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass man viel von dem Gelesenen vergisst ist sehr hoch, wenn man nicht damit arbeitet. Daher habe ich mir angewöhnt sehr beim Lesen Notizen zu machen. Das hilft mir dabei Konzepte klarer zu verstehen und zu verinnerlichen. Zusätzlich habe ich mir ein System angeeignet, durch das meine Notizen einfach auffindbar und miteinander verlinkt abgelegt sind.

    Durch dieses Ablagesystem kann ich Dinge schnell wiederfinden und nutzen. Da meine Notizen größtenteils selbst formuliert und auf den Kern der Aussagen reduziert sind, passiert der erste Lernschritt schon beim Erstellen der Notiz. Erstelle ich später bei einem neuen Eintrag neue Verlinkungen zu bestehenden Notizen, sehe ich diese regelmäßig wieder, und meine Erinnerungen an diese Konzepte werden angeregt.

    Durch das regelmäßige Erstellen von Notizen hast sich die Art wie ich lese stark verändert. Ich frage mich nun beim Lesen immer, welche Aspekte ich mir Dauerhaft notieren und in mein persönliches Wissensmanagementsystem überführen möchte. Durch die eigenen Notizen und die vorhandenen Quellenangaben fällt es mir dadurch später viel einfacher das Wissen mit anderen zu teilen.

    In einem früheren Artikel bei LinkedIn habe ich dazu geschrieben, wie ich selbst beim Hören von Podcasts und Hörbüchern Notizen erstelle.

    Zu guter Letzt:

    Was macht ihr beim Lesen anders?

    Was hat euch inspiriert?

    Teilt euere eigenen Leseerfahrungen hier im Kommentar, bei Twitter.

    Quellen und ergänzende Links:

    Photo by Aaron Burden on Unsplash

  • Persönlicher Lerntag – konzentriert an Lernzielen arbeiten

    Warum nicht mal einen “persönlichen Lerntag” einlegen? Anders als in dem Artikel Lerntage im Unternehmen, hat mein WOL Circle eine Kleingruppen-Variante eines Learning Days ausprobiert. Alle Circle-Teilnehmer trafen sich letzte Woche zusammen virtuell für einen ganzen Tag, um an ihrem eigenen Lernziel intensiv weiter zu arbeiten.

    Warum ein ganzer Lerntag?

    Sowohl WOL und auch LernOS empfiehlt sich regelmäßig Zeit zum Lernen zu blocken. Dies kann z.B. eine Stunde pro Woche sein. Das mach auch vollkommen Sinn, damit man lebenslanges Lernen erreichen kann. Häufig gibt es dann aber – zumindest bei mir – etwas dringenderes und ich nutze die Zeit doch nicht komplett zum Lernen. Zudem muss man sich in sein Thema erst mal rein denken, und bis man sich Strukturiert hat ist ein Teil der Lernstunde schon verbraucht. Im Vergleich mit z.B. Präsenztrainings ist es deutlich schwieriger konzentriert beim Thema zu bleiben. Bei Präsenztrainings ist man komplett aus dem Arbeitsprozess herausgezogen und kann sich auf das Lernthema einstellen.

    Möchte man jedoch wirklich etwas neues lernen, kann es sinnvoll sein hin und wieder – je nach verfügbarer Lernzeit oder ggf. in Abstimmung mit der Führungskraft – einen Lerntag einzulegen. Blockt euch – am besten gemeinsam mit interessierten Kollegen oder einem Lerncircle – einen kompletten Tag. Stellt euch auf diesem Tag auf Abwesend und richtet einen Abwesenheitsagenten ein – genauso wie ihr es für ein Lifetraining auch machen würdet. Wenn ein Tag zu viel ist könnt ihr auch erst mal mit einem halben Tag starten.

    Ablauf eines persönlicher Lerntage

    Trefft euch zum Start des Lerntages zu einem Check-In. Besprecht gemeinsam, wie ihr Ablenkungen vermeiden möchtet. Klärt aber auch wie ihr trotzdem in Kontakt bleiben könnt. Bei einem Seminar wären eure Handys sicherlich im Flugmodus und ihr hättet kein E-Mail- oder Chatprogramm offen.

    Jeder sollte für sich selbst am Anfang einen groben Lernplan erstellen. Plant dafür eure Lerneinheiten grob in 30-60 Minuten Blocks. Vielleicht unterteilt ihr die Blöcke nach einzelnen Lernthemen oder Lernquellen, mit denen ihr euch auseinandersetzen wollt. Denkt daran auch genügend Puffer einzuplanen. In den Plan sollte rein, was ihr wirklich Lernen wollt und von hoher Relevanz ist. Idealerweise habt ihr vorbereitend schon mögliche Lernquellen gesammelt.

    Teilt eure Lernvorhaben am Anfang miteinander. Zum einen könnt ihr euch dazu Feedback geben – wenn ihr euch zum Beispiel zu viel vorgenommen habt. Zum anderen könnt ihr dadurch auch ein höheres Commitment erreichen. Stellt sicher, dass ihr nach jedem 30-60 Minuten Blocks eine 5-10 Minuten Pause einplant, und einer längeren Pause alle 2 Stunden. Wenn ihr möchtet könnt ihr auch die Pomodoro Technik anwenden.

    Nutzt die Pausen aktiv zum Erholen, und nicht um z.B. E-Mails zu checken. Macht zum Beispiel eine Achtsamkeitsübung oder geht kurz spazieren. Euer Gehirn braucht bei längeren Lernphasen diese regelmäßigen Pausen.

    Trefft euch mindestens zum Abschluss nochmal um einen kurzen Austausch. Teilt eure Erfahrungen und macht vielleicht eine kurze Retro – was ihr als Gruppe oder als Person nächstes Mal anders machen würdet. Vielleicht verabredet ihr euch auch gleich für den nächsten Personal Learning Day.

    Erwartete Vorteile

    Durch das Blocken eines gesamten Tages kann mehr Zeit für das Lernen genutzt werden. Es wird Zeitverlust durch ständige Aufgabenwechsel vermieden. Wenn Ihr an dem Tag doch mal zwischendurch etwas anderes gemacht habt, hattet ihr trotzdem noch genügend Zeit euch mit dem Lernen zu beschäftigen.

    Zusätzlich erzeugen die soziale Aspekte einer Lerngruppe an dem Lerntag einen gewissen sozialen Druck. Dadurch wird es schwieriger an dem Tag nicht zu Lernen.

    Vielleicht probiert ihr demnächst ja auch einen persönlichen Lerntag mit eurem LernOS oder WOL Circle aus? Ich bin gespannt von euren Erfahrungen zu hören.

    Weiterführende Links

  • Lerntage im Unternehmen für eine bessere Lernkultur

    “Wir wissen dass wir viel wissen – aber wir wissen nicht immer wo”. So geht es vielen großen Unternehmen. Es gibt sehr viel verfügbares Wissen, aber der Wert des Wissens ist deutlich geringer, wenn es nicht geteilt wird. Eine Möglichkeit Mitarbeiter in Austausch zu bringen und vorhandenes Wissen zu teilen sind Lerntage. Immer mehr Unternehmen nutzen diese Lerntage um Lernen und Austausch anzuregen und damit auch eine bessere Lernkultur zu etablieren. Einige Links zu Beispielen von der Schweizer Post, Datev, Otto Group und der Deutschen Telekom findet ihr weiter unten im Artikel.

    Ein Lerntag ist meist eine halbtägige bis zweitägige Veranstaltung die häufig im Stile eines Barcamps oder OpenSpace durchgeführt wird.
    Jeder darf ein Thema Anbieten und Teilnehmer können selbst auswählen an welchen Sessions sie teilnehmen möchten. Gerade bei längeren Onlineveranstaltungen muss nicht zwingend die ganze Zeit dabei sein – in Live-Veranstaltungen gibt es dafür Begegnungsräume. In diesen kann ein informeller Austausch stattfinden. Dadurch kann auch eine Vernetzung über Abteilungen (kommt Ab-Teilung von abteilen = Silo?) gefördert werden.

    Diese Veranstaltungen sind meist Themenoffen – was kommt das kommt. Es kann aber auch Lerntage mit speziellen Themenfokus geben. Methodisch werden meist von den Sessiongebern Formate wie:

    • Diskussionen
    • Workshop / neues Erarbeiten
    • Impulse / Vorträge
      gewählt.

    Am besten ist es nicht zu stark auf Vorträge zu setzten, da die Akzeptanz mit der Interaktion steigt. Einige Unternehmen bieten den Sessiongebern Unterstützung bei der Vorbereitung der Sessions an, damit die Lernerfahrung für die Teilnehmer steigt.

    Das schönes ist, dass alle lernen. Der Sessiongeber, da er das Thema darstellt und weitere Perspektiven von den anderen Teilgebern erfährt. Die Teilgeber von dem Sessiongeber und den anderen Teilgebern.

    Beispiel Datev

    Datev hatte in einer Session des Corporate Learning Camps CLC20Hybrid ihr Model des Lerntages vorgestellt. Ein Ergebnis war dass sich Mitarbeiter solch ein Event 2x im Jahr wünschen – aber es auch Termine gibt die durch Projekteinsätze eher ungünstig sind. Eine Weiterentwicklung wird ein “Coding Festival” für Entwickler.

    Learnings aus der Session

    • Der Name “Lerntag” könnte besser gewählt sein (ein Name der beim CLC20Hybrid vorgeschlagen wurde war “Learning Experience Day“)
    • Mehr Tools helfen nicht mehr – Mitarbeiter sind von der Toolschwemme gesättigt
    • Abwechslungsreiche und unterschiedliche Formate sind sinnvoll
    • Gute Onlinetools ersetzen nicht die persönlichen treffen
      Warum heißen die Lerntage nicht einfach Barcamp? Weil man sich dann auf ein Format festlegt, aber vielleicht nutzt der nächste Lerntag ja ein anderes Format?

    Beispiel Learning Friday bei der schweizerischen Post

    Beispiel LEX – Learning from Experts bei der Telekom

    Ein umfangreicheres Konzept als ein Lerntag. Eine moderne Form des “Kannst Du mir mal helfen” bestehend aus Expertenlisten, Online Sessions und Foren.
    Details:

    Weitere Beispiele:

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